ZUR GESCHICHTE DER FAMILIE SEIP
von Staatsrat Georg Seip
28. Februar 1928
Einleitungskapitel zum gleichnamigen Buch
In ihrem Werk “Die deutschen Familiennamen” (Halle a.d.S. 1925, 6. Aufl.) teilen die Professoren Albert Heintze und Paul Casorbi diese Namen in drei Gruppen ein:
1. solche, die aus alteinheimischen, ursprünglich heidnischen Personennamen (d.h. nicht forterbende Benennungen einzelner Personen) entstanden sind.
2. solche, die aus später dazugekommenen fremden Personennamen aus christlicher Zeit stammen, und
3. solche, die aus der Beschäftigung, dem Beruf an Charaktereigenschaften, der äußeren Erscheinung usw. entnommen, von Örtlichkeiten usw. entlehnt sind und sogleich als Familiennamen verwendet wurden.
Der Famlienname Seip gehört der ersten Gruppe an. Die genannten Forscher führen ihn zurück auf den gemeingermanischen Stamm segu, segisa “Gewaltüberwindung”; gotisch Sigis; althochdeutsch sigu; mittelhochdeutsch sige, sic, “Sieg”.
Zu Grunde liegen Namen wie Sigibald “der Siegkühne”, Sigibert “der Siegglänzende” woraus Sigbald, Sigbert und durch weitere Abkürzungen Sigbo - Sibo - sich bildeten. Auch andere Sprachforscher vertreten diese Erklärung. So Universitätsprofessor Geheimrat Dr. Behagel -Gießen- in seiner Abhandlung “Die deutsche Sprache”, veröffentlicht in “Das Wissen der Gegenwart”, Deutsche Universitätsbibliothek für Gebildete, 54. Band, Seite 337, und Oberstudienrat Dr. Bergmann, Darmstadt, in einem Abendblatt der Nr. 176 der Frankfurter Zeitung vom 27. Juni 1916 erschienenen Aufsatz und in seinem 1926 herausgegebenen Werk “Deutsches Leben im Lichtkreis der Sprache”, S. 83/84. In dem “Nassauischen Namenbuch” von J. Kehrein (Bonn 1872) wird versucht, den Namen von Sibja, althochdeutsch Sibbi = Sippe, Verwandtschaft abzuleiten. Geheimrat Behagel erklärt dies für irrig, da aus dem kurzen i in sibja kein ei entstanden sein könnte, wogegen die Laute igi in Sigibald, Sigibert usw. zusammen ein langes i ergeben hätten, das dann später zu ei geworden sei.
Die Schreibweise des Namens ist nicht einheitlich; ei wechselt mit ai, ay, eu, i, y und p mit b und pp. Das ist aber ohne Bedeutung.
Die Familie des Staatsrates Georg Seip stammt aus Rothenberg im südlichen Odenwald und läßt sich dort bis in das erste Viertel des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Auch bei ihr wechselt die Schreibweise, mitunter bei derselben Person in derselben Urkunde.
Der Name Seip kommt noch in einer ganzen Anzahl anderer Odenwaldgemeinden und auch hier schon in früherer Zeit vor. Als ältester Träger des Namens im Odenwald konnte bis jetzt festgestellt werden der 1499 in Heidelberg studierende Conradus Syp aus Wynheim (Weinheim). In einem Schatzungsregister des Erbachischen Amts Freienstein von 1507 wegen des durch den Pfälzischen Erbfolgekrieges, oder vielmehr die Plünderungen des Landgrafen Wilhelm II von Hessen veranlaßten Notopfers, erscheint ein Leonhart Sypp von Erlbach (wohl Erlenbach). Nach anderen, im Erbachschen Gesamthausarchiv aufbewahrten Registern wohnten 1546 / 71 Seip und Seup in Gammelsbach, Rothenberg und Hetzbach und nach einem Hirschhornischen Legerbuch im Generallandesarchiv Karlsruhe 1556 ein Lehnhart Seypp in Oberfinkenbach und ein Valtin Seyp in Brombach.
Man wird wohl einen Zusammenhang dieser verschiedenen Odenwaldfamilien annehmen dürfen. In der Gemarkung Ober-Finkenbach heißt eine Gewann seit urkundlicher Zeit die “Seipedelle”.